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Interview mit Andrea Chavez, Physiotherapeutin

Andrea Chavez ist Physiotherapeutin, hat grosse Erfahrung als Dozentin und ist mittlerweile als selbständige Physiotherapeutin auf den Waffenplätzen der Militärmedizinischen Region 2 tätig. 

 

agfam: Du hast einen sehr spannenden Werdegang von der Physiotherapeutin über verschiedene Dozententätigkeiten bis zur selbständigen Physiotherapeutin bei der Armee. Kannst du uns mehr darüber erzählen?  

  

AC: In meinem Berufsalltag haben mich die Arbeit am Patienten, aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse und die Dozententätigkeit gleichermassen fasziniert. So kombinierte ich die praktische Betreuung von Patienten mit der Lehrtätigkeit in diversen Fachgebieten. Nach mehreren Jahren Arbeit in Spitälern und in Privatpraxen mit Schwerpunkt in der Rheumatologie und Orthopädie habe ich an der Uni Salzburg einen Master in Sportphysiotherapie absolviert. Bei meinem Arbeitgeber, dem Schweizer Militär, kann ich mein Wissen konkret umsetzen, sind doch Sportverletzungen unser Alltag und eine schnelle Reintegration der Patienten in der Truppe essentiell. Der Prävention von Verletzungen wird eine grosse Bedeutung beigemessen. Meine Arbeit besteht in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten, dem Pflegeteam und dem militärischen Sportchef in der persönlichen Patientenbetreuung in Form von Einzel- und Gruppentherapien, der Ausbildung der Sportleiter, der Instruktion des militärischen Kaders zur Optimierung der physischen Leistung, der Verletzungsprävention und Regeneration. Auch bei jungen Menschen ist der Rückenschmerz eine der häufigsten Diagnosen. Taping ist eine vielfach eingesetzte Methode. Im Fitnessbereich gibt es neu sogar eine Tapestation, wo Tapes ganztags individuell erneuert werden. 

  

agfam: Bei agfam bist du schon seit einigen Jahren als Dozentin für Rückenschmerzen tätig und dieses Jahr ist ein Tapingkurs dazugekommen. Deine Kurse erfreuen sich einer grossen Beliebtheit. Noch vor 10 Jahren war das Thema Taping für die Apotheker nicht wirklich von Interesse. Mittlerweile bieten einige Apotheken das Taping als Dienstleistung an. Was hat die ApothekerInnen dazu bewogen, sich vermehrt mit dem Thema auseinanderzusetzen?  

  

AC: In den letzten Jahren ist vor allem in der Sportszene ein regelrechter Hype um die farbigen elastischen Tapes entstanden. Auch im Alltag können Tapes bei Problemen am Bewegungsapparat eine gute Ergänzung zu spezifischen Massnahmen sein. Die Nachfrage steigt auch in der Apotheke. Deshalb kann es interessant sein, Taping als Dienstleistung anzubieten. Zentral ist das richtige Hintergrundwissen. Jedem Taping muss eine fundierte Diagnostik vorausgehen und die Kundin muss genau instruiert werden. 

 

agfam: Kannst du uns beschreiben, was im Workshop gut getapt in der Apotheke geübt wird? 

  

AC: Im Moment wird bei agfam ein Tapekurs bei Rückenbeschwerden angeboten.  

Der Kurs unterscheidet sich jedoch grundsätzlich von einem reinen Anwender- Tapekurs.  

Die Behandlung des Rückenschmerzes ist komplex und beinhaltet viele Faktoren. Taping kann eine gute Begleitmassnahme sein. Zentral ist das theoretische Wissen über die physiologische Wirkung von Tape und gute Anatomiekenntnisse. Wir tapen in verschiedensten Anwendungen Tapeanlagen zur Optimierung der Haltung und bei Fehlbelastungen, Entlastungstapes bei muskulären Verspannungen, Muskelzerrungen und akuten Kreuzschmerzen. 

In der Apotheke sind wir in direktem Kontakt mit betroffenen Kunden und können mit dem Kurswissen den Fokus auf eine ganzheitliche Beratung legen, über angepasstes Verhalten im Alltag während der Regenerationsphase informieren und wertvolle Tipps zu Ergonomie und Prävention im Umgang mit Rückenschmerzen geben.  

 

agfam: Du bist sehr sportlich, du spielst Tennis, bist oft mit dem Fahrrad oder in den Bergen zu Fuss unterwegs. Wie hältst du dich fit und verletzungsfrei? 

 

AC: Der Berufsalltag in der Physiotherapie im ständigen direkten Kontakt mit Patienten ist sehr vielseitig, aber auch fordernd. Deshalb finde ich es wichtig, darauf zu achten, dass sich die physische und geistige Belastbarkeit und die tatsächliche Belastung die Waage halten. Zum Ausgleich gönne ich mir täglich eine aktive Regenerationszeit. Für mich gibt es nichts Schöneres als Aktivitäten im Freien, allein oder in der Gruppe im Freundeskreis. Bewegung ist nicht nur Training für Körper und Geist, sondern generiert bei mir auch Lebensfreude und Energie.  

  

agfam: vielen Dank für das Interview!